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Aufgaben und Ziele

Ausgangssituation:

Da die Gehörlosigkeit eine unsichtbare und leider auch uneinfühlbare Behinderung darstellt, werden gehörlose Menschen in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen und folglich ihre speziellen behinderungsbezogenen Bedürfnisse nicht respektiert. Aus diesem Missverständnis heraus resultiert eine falsche Beurteilung ihrer akademischen Fähigkeiten und auch ihrer Persönlichkeit, was sich im Alltags- und auch im Arbeitsleben als äusserst diskriminierend erweist.

Selbst in Fachkreisen herrscht massiver Informationsmangel in jenen Fragen, die speziell Gehörlose betreffen, deren Verständnis jedoch für eine effektive soziale Integrationshilfe und Begleitung unentbehrlich ist wie etwa gehörlosengerechte Umgangsformen, Kommunikationsstrategien, bauliche Massnahmen, Wohnungseinrichtung und die Geschichte der Gehörlosen, ihre Muttersprache, die Gebärdensprache, ihre Identität, die daraus erwächst sowie ihr Status als kulturelle und sprachliche Minderheit und vor allem auch, was Gehörlos sein im Alltag und im Arbeitsleben tatsächlich bedeutet.

Unsere Aufgaben und Ziele:

Um diesem gravierenden Informationsdefizit sowohl in der breiten Öffentlichkeit als auch in Fachkreisen entgegenzuwirken und folglich eine Erhöhung der Lebensqualität gehörloser Menschen zu erzielen, werden im Bildungszentrum der Gebärdensprachgemeinschaft folgende Bildungsveranstaltungen geboten:

  • Für Fachpersonal (Ärzte, Logopäden, Pflegepersonal, Gebärdensprachdolmetscher, Sozialarbeiter, Arbeitsassistenten, Pädagogen, Beamte), Angehörige von gehörlosen Personen und sonstige Interessierte:

Gebärdensprachkurse unter der Leitung von ausgebildeten gehörlosen Kursleitern (Native Speakers):
Anfängerkurse - Einführung in die Gebärdensprache (Nonverbale Kommunikation, Grundlagen aus der Linguistik, Soziologie, Gehörlosenkultur, Gehörlosengeschichte)
Aufbaukurse I, II, III, IV, V für Fortgeschrittene sowie das
Bikulturelle Kommunikationstraining zu Zwecken der praktischen Übung des Gelernten für Kursteilnehmer

Die gehörlosen Gebärdensprachkursleiter werden im Bildungszentrum in enger wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit einem Linguisten ausgebildet und haben sich verpflichtet, sich ständig weiterzubilden, um stets auf dem neuesten Stand der Erkenntnisse im Bereich der Gebärdensprache zu sein und somit qualitativ hochwertige Leistungen erbringen zu können.

Wir legen besonderen Wert auf fachliche und soziale Kompetenz, Pünktlichkeit, Vertrauen, Genauigkeit und auf vorbildliches und untadeliges Verhalten.

Wir helfen und ergänzen einander und gehen auf allen Ebenen ehrlich, freundlich und offen miteinander um, wobei auch der aktiven und passiven Kritikfähigkeit ein besonderer Stellenwert zukommt.

Unsere ausgebildeten gehörlosen Kursleiter unterrichten nicht nur in den Kursen in unserem Bildungszentrum, sondern wir entsenden sie auch an andere Bildungseinrichtungen und Akademien in Oberösterreich. Derzeit leiten sie Kurse an der Pädagogischen Akademie des Bundes, der Logopäden-Akademie in Linz, dem Berufsförderungsinstitut in Linz und Wels, an der Volkshochschule in Linz und Freistadt, an der Landeslehranstalt für Hör- und Sehbildung, im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz, in der Lebenswelt Schenkenfelden, in sonstigen Instituten (Teamwork Linz, Pflegeheim Sonnenhof, Lehranstalt für Heilpädagogische Berufe in Gallneukirchen) und auch in den angeschlossenen Gehörlosenvereinen (Innviertler Gehörlosen Kultur- und Sportverein in Ried im Innkreis)

  • Vorträge und Workshops über Gehörlosenthemen im Rahmen der Bewusstseinbildung in der Öffentlichkeit, auch an Schulen im Rahmen von Projektarbeiten und sonstigen Bildungs- und Sozialeinrichtungen
  • Workshops für Gebördensprachdolmetscher und Sozialarbeiter:

Wie jede andere Sprache unterliegt auch die Gebärdensprache einer ständigen Weiterentwicklung. Um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden und die Qualität der gebotenen Dienste verbessern zu können, ist auch für bereits tätige Gebärdensprachdolmetscher und Sozialarbeiter im Gehörlosenbereich kontinuierliche Weiterbildung unbedingt erforderlich. Im Rahmen dieser Workshops werden aktuelle Problemstellungen erörtert, wie zum Beispiel die Erstellung eines Wochenend-Einsatzplanes, und gebärdensprachliche Themen und Methoden erarbeitet (Erweiterung des gebärdensprachlichen Wortschatzes, Abklärung von Fachbegriffen, Beurteilungdes gebärdensprachlichen Niveaus der Dolmetscher und Sozialarbeiter, Übersetzen in die Gebärdensprache und Voicen (Rückübersetzen in die Lautsprache), Video-Arbeit etc.)

  • Abhaltung von Informationsveranstaltungen und Workshops für Hörende und Gehörlose:

Im Rahmen des Oö. Kommunikationsforums werden laufend Veranstaltungen zu diversen Themen (Gehörlosenthemen, aktuelle Fragen, etc.) abgehalten. Diese Veranstaltungen dienen sowohl gehörlosen Menschen, um besser informiert zu sein, als auch hörenden Personen, die mit Gehörlosen in Kontakt treten möchten, um zB. ihre im Kurs erworbenen Gebärdensprachkenntnisse zu üben oder einfach, um mehr über Gehörlose zu erfahren. Dieses Forum bietet Informationsaustausch, regt zu Zusammenarbeit zwischen hörenden und gehörlosen Menschen an und ist ein wichtiger Schritt in Richtung Integration.

Speziell für gehörlose Zielgruppen werden besondere Workshops angeboten, zB. das beliebte Identitätsbildungsseminar, wo Strategien zur Bewältigung von Kommunikationsbarrieren und zum Aufbau eines positiven Selbstbildes vermittelt werden. Ein positives Selbstbild ist für die Lebensbewältigung mit dieser Sinnesbehinderung im Alltag und insbesondere auch für die erfolgreiche Behauptung im Berufsleben von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Weiters gibt es Mutter-Kind-Runden, Theaterworkshops für Jugendliche, Kinderworkshops, etc.